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Mazda MX-5 im Generationen-Vergleich

Ein Artikel von unserem Gastautor Roman Jandl, 31 Jahre, wohnhaft im schönen Weinviertel. Roman ist nebenberuflich Fotograf und stellt uns auch seine Bilder für diesen Beitrag zur Verfügung.

Roman über sich: Ich bin passionierter Autofahrer, am liebsten und bei jeder Gelegenheit offen.
MX-5: Happiness isn’t around the corner, it is the corner!

 

Mazda MX-5 im Generationen-Vergleich

NB (2000) und ND (2017)

Ich fahre seit 3 Jahren einen Mazda MX-5 NB als Sommer-Spaß-Auto und etwas länger einen Mercedes-Benz C220 für den Alltag. Da ich das sportliche Feeling des MX-5 ganzjährig wollte, habe ich mich nach reiflicher Überlegung entschieden, die bequeme und zuverlässige C-Klasse durch einen neuen MX-5 ND zu ersetzen – im Februar 2017 habe ich zugeschlagen.

MAZDA MX-5 Generationen-Vergleich
Foto: ©Roman Jandl

Dass der kleine Roadster aus Japan keine Deutsche Limousine ist, sollte jedem sofort klar sein, das merkt man am Fahrspaß genau so wie am Komfort und Platzangebot. Interessanter ist da schon: Wie verhält sich der mittlerweile 17 Jahre alte „Großvater“, der MX-5 NB im Vergleich zum modernen MX-5 ND? Eines vorweg – die Unterschiede sind doch deutlicher als gedacht, und das ist auch gut so. Immerhin will ich ja beide fahren und meine Freude daran haben.

Meine beiden haben jeweils die bestmögliche Ausstattung: Sondermodell Miracle im MX-5 NB  und Revolution Top im MX-5 ND, sowie die jeweils höchste Motorisierung: 1.8l 140PS im MX-5 NB sowie 2.0l 160PS im MX-5 ND. Der Grundstein für eine Gegenüberstellung ist also vorhanden.

Die Optik ist natürlich Geschmackssache, der gediegene NB mit beigem Leder und Nardi-Holzelementen steht einem aggressiven und betont sportlichen Auftreten des ND gegenüber. Bei detaillierter Betrachtung von Oberflächen und Materialien ist der Altersunterschied jedoch merkbar: Der ND ist gefühlt eine Klasse darüber, fast kein dünnes Plastik, nichts scheppert. Einzige Ausnahme: Die Sonnenblenden wirken so, als hätte es den Innenraum-Designer hier nicht mehr gefreut – das ging früher deutlich besser.
Bei den Sitzen bin ich zwiegespalten: das dicke Leder im NB wirkt um einiges hochwertiger als das dünne der Recaro-Sitze im ND.

ABER: Der Seitenhalt der Recaros ist bombastisch.

 

Bequem, auch auf längeren Fahrten, sitzt man auf beiden. Sieht man sich den Innenraum genauer an, denkt man auf den ersten Blick, dass im ND einiges an Ablageflächen fehlt. Das ist auch so, jedoch gibt es ein paar versteckte Möglichkeiten, diverse kleine Dinge unterzubringen: das Handschuhfach ist hinten in die Mitte gewandert, hinter den Sitzen gibt es weitere kleine Stauräume. Im NB gibt es Fächer in den Türen, ein brauchbares in der Mittelkonsole und ein konventionelles Handschuhfach (der Name ist Programm, viel mehr als Handschuhe passen nicht hinein), weiters kann man das Ablagefach beim Radio auch als solches benutzen, ohne dass man wie beim ND Angst haben muss, dass ein durch einen herzhaften Gasstoß fliegendes Handy die Familienplanung durcheinander bringt. Platzmäßig kann der spartanisch eingerichtete NB generell punkten, gerade auf der Beifahrerseite fühlt man sich weit weniger eingeengt. Dafür ist das Lenkrad nicht verstellbar, das geht beim ND zumindest in der Höhe.

 

Der Kofferraum ist beim Großvater weit weniger praktisch: aufgrund der Höhe kann man nicht einmal eine Bierkiste transportieren. Dafür gibt es die Möglichkeit eines optisch passenden Trägers für die Heckklappe, das gibt es zwar für den ND auch, es wirkt aber sehr deplaziert. Bezüglich der Alltagstauglichkeit habe ich mit dem ND einen klaren Favoriten: Mit Klimaautomatik, LED-Scheinwerfer, Infotainment mit Bose-Lautsprechern, Tempomat und Totwinkel-Warner ist man für alle Eventualitäten gerüstet. Der Spurhalteassistent nervt, lässt sich aber dauerhaft deaktivieren, auch das ESP lässt sich bei Bedarf abschalten.

Das an sich schon einfache Öffnen des NB-Dachs wurde im ND perfektioniert

 

Statt zwei Griffen ist es nur noch einer in der Mitte. Das Dach klappt so ein, dass man auch ohne Abdeckung nichts vom Gestänge sieht, beim Schließen hebt eine Feder das Dach ein wenig an. Super! Offen fahren macht bei beiden MX-5 wahnsinnig viel Spaß, jedoch ist der ND auch hier alltagstaugliche: Durch die keilförmige Bauweise zieht es weniger als bei seinem Vorfahren, das ist auch durch eine geringere Lautstärke merkbar. Bei schnellen Fahrten oder starkem Wind schließe ich die Fenster und drehe die Klimaanlage auf – ökologisch bedenklich aber angenehm.

Kommen wir zum wichtigsten Punkt – dem Fahrspaß!

MAZDA MX-5 ND (2017)
Foto: © Roman Jandl

Dieser wird natürlich von jedem anders definiert, interessiert man sich für Mazda MX-5 liegt der Schwerpunkt gewöhnlicherweise am sportlichen Fahren. Besonders auf kurvigen Landstraßen können die Stärken eines wendigen und leichten Roadsters sehr gut ausgenutzt werden. Auch hier unterscheiden sich meine beiden ein wenig. Der NB ist puristisch: Jede Bodenunebenheit wird nahezu ungefiltert an den Fahrer weitergeleitet, außer der Servolenkung gibt es keinerlei Helferlein. Durch die extrem kurzen Schaltwege macht jeder Gangwechsel Freude. Mit der nachgerüsteten NAP-Auspuffanlage ist auch der zum Auto passende Klang vorhanden. Der ND hat dieses lässige „Oldtimer-Flair“ nicht, er ist ein moderner Sportwagen: Das Bilstein- Fahrwerk ist straff, aber komfortabler als im NB. Lenkung und Getriebe sind ebenso exakt, aber ein wenig indirekter. Dafür wird jeder Millimeter Bewegung am Gaspedal blitzschnell umgesetzt, der ND ist merkbar „giftiger“. Das Manko des recht dürftigen Serienklangs habe ich mittlerweile behoben, der Endtopf von ATH ist eine Wucht.

Was haben die zwei gemeinsam?

MAZDA MX-5 NB (2000)
Foto: © Roman Jandl

Kurvige Straßen möchte ich am liebsten den ganzen Tag fahren, es macht unbeschreiblich viel Freude. Ein kleiner Drift lässt sich hier und da leicht provozieren, wieder einfangen ist absolut kein Problem. Auf der Autobahn ist es fad, das ist bei anderen Autos aber auch nicht anders. Im vollgestopften Stadtverkehr fehlt mir meine C-Klasse manchmal, ein abgeschirmter Kokon mit Automatikgetriebe hat hier schon Vorteile. Kann ich aufgrund meiner Erfahrungen Empfehlungen für einen meiner zwei MX-5 abgeben? Nein, ich empfehle sogar beide! Der NB hat ein unschlagbares Preis/Leistungs-Verhältnis, wer einen günstigen, zuverlässigen und spaßigen Roadster ohne viel Schnickschnack will kann bei einem guten Gebrauchten bedenkenlos zugreifen. Der ND ist für mich ideal für das ganze Jahr – Klimaanlage im Sommer, Sitzheizung und ESP im Winter. Er fährt sich super und wird nicht langweilig, bietet aber noch genug Komfort für den Alltag.

Mario Kranabetter
Chefredakteur bei Roadster Magazin
Leidenschaftlicher Offenfahrer, Rennfahrer, Grafiker und Autoblogger mit dem Hang zur Offenheit.
"Mit mir kann man über alle Autos reden, Hauptsache sie haben Heckantrieb und einen Benzinmotor!"
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