Foto: © Shutterstock, Dark Moon Pictures

Der alte Wagen hat viele Defekte, eine Reparatur ist unrentabel und ein Neuer muss her. Vom Online-Portal über den Gebrauchtwagenhändler bis zum Privatmann erstreckt sich das riesige Angebot. Ein Neuwagen kommt aufgrund des bereitgestellten Budgets nicht in Frage, also bleibt nur der Gebrauchtwagenmarkt und der ist für viele Autofahrer ein Buch mit sieben Siegeln … Originalbericht von www.autofahrerseite.eu

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Auto gesichtet, was nun?

Hat man erst einmal sämtliche Kleinanzeigen der einschlägigen Wochenblätter, Zeitungen, Fachzeitschriften und Online-Portale gesichtet, ist man im Normalfall mit Angeboten seines Traumwagens umfangreich versorgt und ein Objekt des Interesses ist gefunden. Die Eckdaten stimmen und die Beschreibung macht neugierig. Der erste Schritt, eine Einschätzung des Angebotes vorzunehmen, ist das Telefongespräch.
Ein seriöser Verkäufer sollte sich mit Namen oder Firmierung melden. Ein lapidares: „Ja“ oder „Hallo?“ erweckt zu Recht einen zwiespältigen Eindruck. Erscheint hier der Verkäufer bereits dubios, zwielichtig oder unfreundlich, sollte man Vorsicht walten lassen und im Zweifelsfall das Angebot für sich ausschließen.

Das sollte im Telefongespräch angesprochen werden

Genauigkeit ist wichtig, lassen Sie sich im Vorfeld Zeit und schreiben sich die Punkte, die für Sie ausschlaggebend sind, auf einen Din-A4 Bogen und arbeiten Sie sie nacheinander ab. Nehmen Sie sich Zeit und lassen Sie sich nicht drängen.

Persönliche Wunschliste: Haken Sie nach und nach am Telefon die einzelnen Punkte Ihrer Liste ab. Nichts ist ärgerlicher, als die Besichtigung eines Fahrzeugs, das nicht ihren Vorgaben entspricht.
Terminierung: Am effektivsten ist ein Termin bei Tageslicht, denn Mängel können so leichter entdeckt werden. Sollten die Wetterumstände schlecht sein, nehmen sie das Fahrzeug in einer Garage oder in einem Unterstand in Augenschein. Eine Taschenlampe sollte genauso zur Ausstattung gehören wie auch eine alte Decke o.ä. um den Unterboden zu überprüfen. Falls die Möglichkeit besteht, ist eine Arbeitsbühne in einer befreundeten Werkstatt natürlich perfekt. Eventuell kann ja sogar der Kfz-Meister der freien Werkstatt einen Blick auf das Kfz werfen, sprechen Sie Ihre unabhängige Werkstatt einfach auf die Möglichkeit an.
Genauigkeit: Gehen Sie in die Tiefe und klären Sie die Detailfragen, die wichtig sind. Gibt es Rostbefall, welche Reparaturen wurden durchgeführt, ist das Serviceheft lückenlos, ist es ein Unfallwagen – klären Sie das im Vorfeld.
Komplette Unterlagen: Fahrzeugschein, Fahrzeugbrief, letztes HU- Prüfprotokoll, Reparaturbelege, Inspektions-Scheckheft und natürlich der Personalausweis des Verkäufers müssen vor Ort sein.
Kfz: Der Wagen sollte „kalt“ besichtigt werden und nicht im Vorfeld warmgelaufen sein. Weisen Sie den Verkäufer darauf hin. Eine gern gebrauchte Ausrede auf deinen bereits warmgefahren Wagen ist z.B.: „da waren schon Interessenten da, oder – ich bin gerade eben mit dem Wagen noch gefahren“.

Wie und wo sollte man das Fahrzeug begutachten?

Suchen Sie sich einen Ort, z. B. einen Parkplatz, auf dem Sie das Auto in Ruhe begutachten können. Perfekt wäre ein Termin bei Ihrer unabhängigen Kfz-Werkstatt. Da könnte ein fachkundiges Urteil vom Kfz-Meister gefällt werden und bei der Entscheidung weiterhelfen. Bei Autos aus dem Hochpreissegment können Sie hier auch, in Absprache mit dem Eigner, ein Gutachten oder einen aktuellen Zustandsbericht anfertigen lassen.

Zeit lassen: Planen Sie genug Zeit für den Termin ein, um eine gründliche Besichtigung und eine Probefahrt durchführen zu können.
Hilfe von außen: Vier Augen sehen mehr als zwei. Das ist in vielen Fällen richtig, gerade auch beim Autokauf. Nehmen Sie einen technisch versierten Freund mit, der Ihnen nicht nur bei der Begutachtung des Fahrzeuges hilft, sondern sich auch einen zusätzlichen Eindruck vom Verkäufer verschafft.
Probefahrt: Bringen Sie ihr Navigationsgerät mit oder überlegen Sie sich im Vorfeld eine angrenzende Testroute. Nehmen Sie, in Absprache mit dem Fahrzeuginhaber, die Probefahrt allein oder mit einem technisch versiertem Berater vor, da kann man sich besser auf das Kfz konzentrieren und wird nicht vom Halter beeinflusst. Sinnvoll ist eine Strecke mit Stadt/Land/Autobahnabschnitten. Prüfen Sie auch im Vorfeld, ob das Fahrzeug bei der Probefahrt versichert ist!

Jetzt geht’s los

Alle Dokumente wie Zulassung, Serviceheft etc. müssen vor Ort sein und den Auto-Lebenslauf wiederspiegeln. Vorsicht! Eine identische Handschrift mit gleichem Kugelschreiber bei Eintragungen im Serviceheft kann auf eine Manipulation hinweisen! Prüfzettel von durchgeführten Ölwechseln, Austausch von Zahnriemen und Inspektionen sollten im Motorraum vorhanden sein. Auch Gebrauchsspuren am Fahrzeug helfen bei der Einschätzung des Kfz weiter. So darf ein Kfz, das erst 30.000 Kilometer gelaufen hat, kein abgenutztes Lenkrad, Pedalauflagen, Gurte oder Schaltknauf aufweisen, das kann auf eine Tachomanipulation deuten.

Bewertung Auto allgemein

  • Bremsen: Riefen oder tiefergehender Rost dürfen an den Bremsscheiben nicht vorhanden sein, bei der Probefahrt heiß gelaufene Felgen deuten auf defekte Bremskolben oder- Bremsanlage hin.
  • Rost: Auch kleine Anhebungen des Lacks und wenige Rostbläschen können auf eine Durchrostung des Materials hindeuten. Über typenspezifische Schwachstellen kann man sich vorher informieren. Unterschiede in der Lackoberfläche, Farbigkeit, Unebenheiten und Farbreste auf Dichtgummis oder Leisten weisen auf Nachlackierungen aufgrund von Rostbefall oder Unfallreparaturen hin (Spaltmasse beachten!).
  • Auspuff: Festen Sitz und Lautstärke überprüfen. Fenster bei der Probefahrt öffnen und unter Last kurz Gas geben.
    Außenbeleuchtung: Scheinwerferreflektoren dürfen nicht angerostet, beschlagen oder blind sein. Das gleiche gilt für die Blinker und Zusatzbeleuchtung.
  • Reifen und Felgen: Feine Risse im Reifengummi oder zu geringes Profil mindern den Kaufpreis, da neue Reifen angeschafft werden müssen. Ungleichmäßig abgefahrene Reifen deuten auf eine verzogene Spur und einen eventuellen Unfallschaden hin. Felgen aus dem Zubehör müssen im Fahrzeugschein eingetragen sein und sollten keine Beschädigungen aufweisen.
  • Unterboden: Auf Rost achten. Gerade ein neu aufgetragener Unterbodenschutz kann auf den Versuch hinweisen, Roststellen zu überdecken.
    Türen: Sollten leichtgängig und gut schließen; Gummidichtungen dürfen nicht porös oder rissig sein, sonst gibt es schnell Feuchtigkeit im Innenraum.
  • Windschutzscheibe: Auf Kratzer und Sprünge achten! Ein Sprung in der Windschutzscheibe kann die ABE erlöschen lassen!

Motor/Getriebe/Motorraum

  • Motor, Getriebe, Bremsanlage: Hier dürfen an keiner Stelle Flüssigkeiten austreten! Wichtig ist auch, dass Schläuche und Anschlüsse vollständig dicht sind, da sonst ihre Sicherheit in Gefahr ist. Öffnen Sie den Einfülldeckel für das Motoröl – weißer Schaum unter dem Deckel weist auf eine defekte Zylinderkopfdichtung hin. Kontrollieren Sie den Ölstand und Zeitpunkt des letzten Ölwechsels. Kilometer-Stand und Eintragungen auf dem Ölwechsel-Anhänger müssen zueinander passen.
  • Kühler: Sprudelndes Kühlwasser bei laufendem Motor deutet auf eine defekte Zylinderkopfdichtung hin. Die Kühlflüssigkeit darf kein Öl oder Rostpartikel enthalten. Vorsicht, den Check nur von Ihrer freien Werkstatt durchführen lassen, hier droht Verbrennungsgefahr!
  • Motorraum: Eine kürzlich vorgenommene Motorwäsche deutet auf Reparaturen und Undichtigkeiten hin, abklären!
  • Steuerkette/Zahnriemen: Wann wurde der letzte Zahnriemenwechsel gemacht? Wie sind die Intervalle? Steht ein Wechsel an, ist eine Nachverhandlung des Preises unbedingt angebracht. Machen sie sich auch kundig wegen der Steuerkette. Es gibt in der Gebrauchtwagenlandschaft durchaus das eine oder andere Modell, bei dem ein Wechsel der Steuerkette ab einer hohen Kilometerleistung ratsam ist.

Innenraum/Interieur

  • Tachometer: Bei bestehendem Zweifel an der Kilometerleistung das Kfz unbedingt in der freien Fachwerkstatt überprüfen lassen. Denn nur der Fachmann kann eventuelle Tachomanipulationen feststellen!
  • Elektrik: Unterziehen Sie alle Bedienungselementen, Heizung und Klimaanlage, Hupe, Radio, elektrischen Fensterheber, Beleuchtungseinrichtungen, Spiegel, Scheibenwischern etc. einer Funktionsprüfung.
  • Matten und Teppiche: Auf Feuchtigkeit unter den Fußmatten und Teppichen achten.
  • Sitze/Gurte: Die Sitze sollten nicht durchgesessen und verstellbar sein. Darauf achten, ob das Dekor zum restlichen Innenraum passt, ausgetauschte Sitze weisen oft auf einen Unfall oder die versuchte Verschleierung der Kilometerleistung hin. Sicherheitsgurte müssen in gutem Zustand sein und sich problemlos aufrollen.
  • Kfz-Ausstattung: Verbandkasten, Reserverad, Wagenheber, Werkzeug und Bedienungshandbuch gehören an Bord des Fahrzeugs. Hochwertiges Zubehör wie Navigationsgeräte, TV, Soundanlage etc. mit in den Kaufvertrag aufnehmen!

Händler oder Privat?

Viele Autofahrer kaufen Ihr Fahrzeug vorzugsweise aus privaten Händen, das ist persönlicher und eine beliebte Variante. Und man spart, zu mindestens im ersten Moment, den einen oder anderen Euro. Aber Garantien oder eine zwölfmonatige Sachmängelhaftung gibt es nur beim Kfz-Händler. Privatverkäufer können hingegen die Sachmängelhaftung im Kaufvertrag ausdrücklich ausschließen.

Fazit

Schauen Sie zweimal hin. Hören Sie genau zu, was der Verkäufer sagt. Auch mündliche Auskünfte des Verkäufers über das Auto sind rechtlich bindend. Welchen Eindruck haben Sie vom Auto und Verkäufer, passt alles zusammen? Nehmen Sie einen Vertragsvordruck mit, Vorlagen bekommen Sie im Schreibwarengeschäft oder online bei verschiedenen Automobilclubs.
Wenn Sie bereits privat ein Auto ins Auge genommen haben und auf Nummer sicher gehen wollen, lassen Sie das Auto von Ihrer unabhängigen KFZ-Fachwerkstatt durchchecken, denn nur der Fachmann sieht die Schwachpunkte, die dem Laien verborgen sind.

Originalbericht von www.autofahrerseite.eu